Luigi Calissano

Luigi Calissano, Industrieller in der Weinbaubranche (1830-1913)

Der nachfolgende Text wurde der Internetseite des „ONLUS-Verbandes des Studienzentrums Beppe Fenoglio der Literatur, Geschichte, Kunst und Kultur“ entnommen.

Bis 1872 war Luigi Calissano ein bekannter und beliebter Eisenwarenhändler in der Via Macrino in Alba, der hier mit Hilfe seiner drei Söhne tätig war: Vincenzo, Pietro und Giovanni. In jenem Jahr begann er in Zusammenarbeit mit einigen Freunden, die seine Partner wurden, begrenzte Mengen von Trauben zu verarbeiten. Er hatte sofort Erfolg damit, und nach einigen Jahren verließ er seinen Geschäftssitz in der Via Macrino und zog in das Haus Richiardi, wo er sich selbstständig machte.

Von Domenico Rossano, Gutsverwalter der Grafen von Neive und ehemaliger Weinbauschüler des französischen Önologen Oudart, den Cavour für die Produktion und den Ausbau seiner Weine nach Grinzane holen ließ, erhielt Luigi Calissano aus erster Hand Informationen über ein Verarbeitungssystem von Schaumweinen, das in Frankreich angewandt wurde, die so genannte„Champenoise-Methode“, ebenso wie einen weiteren interessanten Hinweis bezüglich der Produktion von Weinen wie den „Petiot“, woraufhin er sich diesem Wein widmete und 1878 davon gute 100 Hektoliter erzeugte, die er im Januar 1879, zusammen mit 200 Hektolitern Langhe-Wein, an den Franzosen Terrier verkaufte, der ihn mit Goldmünzen bezahlte.

Der Transport, per Eisenbahn, erfolgte in einer einzigen Spedition. An jenem Tag wohnte Alba zum ersten Mal dem ungewöhnlichen Schauspiel bei, bei dem eine Prozession von 50 Fässern zu je 6 Hektolitern langsam in Richtung Bahnhof transportiert wurden; eine Prozession, die mit der Zeit zur Gewohnheit wurde. Im Jahr 1883 beschloss Luigi Calissano, sich mit einem neuen Keller zu vergrößern, wobei er aber trotzdem seinen Eisenwarenhandel weiterführte, den er erst 1892 aufgeben sollte. Er erwarb 2.600 Quadratmeter Land an der Straße nach Savona, also nicht weit vom Zentrum der Stadt Alba entfernt, und begann dort mit dem Bau einer Fabrik, die 1885 in Betrieb genommen und 1897 fertiggestellt wurde.

In der Zwischenzeit öffnete er drei Verkaufsfilialen: in Genua mit Vincenzo, in Turin mit Giovanni und in Mailand mit Pietro. 1891 entstand offiziell die Firma Luigi Calissano e Figli, und der Inhaber teilte diese Tatsache allen mit einem am 10. August datierten eigenhändig geschriebenen Brief mit. 1895 überschrieb Vincenzo seinen Anteil an Giovanni, der sich dann zwischen Alba und Genua aufteilte, um sich einerseits der Leitung des Werkes in Alba zu widmen, wo etwa 80 Arbeiter und 13 Angestellte tätig waren, und andererseits der Filiale in Genua, die sich als sehr strategisch für den neuen amerikanischen Markt herausstellte.

Giovanni stand seinem Vater Luigi zur Seite, indem er neue Handelsstrategien einführte und die Beziehungen mit dem amerikanischen Markt intensivierte. Es war im Jahr 1901, als die denkwürdige Spedition erfolgte, die an nur einem Tag 15 Eisenbahnwagons voller Fässer nach Genua brachte, die für Buenos Aires, Montevideo und Rosario bestimmt waren. Gleichzeitig wurde auch eine neue Filiale mit einem Abfüllungswerk in New York für den nordamerikanischen Markt gegründet.

Ebenfalls in Genua begann Giovanni erfolgreiche Geschäftsbeziehungen mit verschiedenen Schifffahrtsgesellschaften für exklusive Weinbelieferungen an Bord.Im Jahr 1900 wurde der erste Vertrag für das Transatlantikschiff „La Veloce“ geschlossen, dem weitere Exklusiv-Verträge folgten mit der „Società di Navigazione Generale“ und dem „Lloyd“, wobei die Lieferungen dermaßen groß waren, dass es notwendig wurde, in Genua ein Flaschenabfüllwerk für die zu liefernden Weine einzurichten.

Der Vater, Luigi Calissano, überwachte weiterhin den Einkauf der Trauben in der Langa und auf dem Marktplatz in Alba für die immer konsistenter werdende Produktion in der Kellerei. In der Zeit von 1900 bis 1913 (das Jahr, in dem Luigi Calissano starb) konnte man aus der Buchhaltung ersehen, dass sich der Monatsumsatz im Durchschnitt auf 200 000 Lire belief, bei einem Preis pro Flasche von 0,25 bis 0,50 Lire, und dies mit einer Jahresproduktion von durchschnittlich 70 000 Hektoliter Wein.

Neben der Produktion aller Rotweine der Langhe, hatte Luigi Calissano dieProduktion des Schaumweins mit der Champenoise-Methode fortgesetzt und erzielte auch in diesem Bereich große Erfolge. Im Jahr 1919 konnte das Unternehmen mit dem Markenzeichen „Duca d’Alba“ werben, und dies mit einemWerbeplakat im Jugendstil, auf dem eine soeben entkorkte Flasche zu sehen war, aus der ein eleganter Mann mit Frack und Trikolore-Bändchen emporstieg.

Aber Luigi Calissano wurde auch stets mit der Politik seiner Stadt verknüpft: 1879 trat er dort in den Gemeinderat und wurde bis zu seinem Tode ganze sieben Mal mit glänzenden Ergebnissen immer wieder gewählt. Er war Exponent jener gemäßigten liberalen Klasse, die in seinem Vetter Teobaldo Calissano einen herausragenden Vertreter hatte, der sogar das Ministeramt erlangte. Nach dem Tod des Gründers führte das Unternehmen unter Giovanni Calissano seinen Betrieb und seine Expansion bis 1930 fort, bis die Krise von 1929 und die Einführung der Prohibition in den Vereinigten Staaten der Kellerei große wirtschaftliche Schwierigkeiten bereitete.

Leider erlitt das Unternehmen dann mit Einbruch des Zweiten Weltkriegs neue Probleme, ging von einer Hand in die andere, bis zur endgültigen Schließung in den 80er Jahren. Dies war das Ende jenes Werkes, das 50 Jahre lang die größte Fabrik in Alba war. Auf jeden Fall kommt Luigi Calissano der Verdienst zu, als Erster die großen Weine in Europa und in der Welt bekannt gemacht und eine Weinindustrie in einer Zeit geschaffen zu haben, in der die Produktion von Weinen und vor allem dessen Handel begrenzte Horizonte hatte, die den Anbau der Reben keineswegs lukrativ gestalteten, so dass die Produktion von Qualitätserzeugnissen damals nur wenigen Mutigen vorbehalten war.

Bei der Stadtverwaltung ist das Projekt in Bearbeitung, eine Straße nach Luigi Calissano zu benennen.